Das Totemtier

In der indianischen Tradition ist jeder Mensch mit neun Tieren verbunden, die ihn auf seinem Lebensweg begleiten und ihm Fähigkeiten und Talente vermitteln. Jedes Tier lehrt die Weisheit einer der der sieben Richtungen Osten, Westen, Norden, Süden, Oben, Unten und Innen. Hinzu kommen die zwei Begleiter zur Rechten und zur Linken. Sie besuchen uns seit langer Zeit im Traum.
Wenn man wissen möchte, welche Totem-Tiere zu einem gehören, kann man dies mit Hilfe eines Orakels herausfinden: Einfach die Namen aller Totem Tiere auf Zettel schreiben und diese verdeckt hinlegen. Anschließend neun Stück mit der linken Hand ziehen. Sollte man sich noch zu anderen Tieren außer den folgenden hingezogen fühlen, kann man diese ruhig auch aufschreiben.
Da alle Lebewesen durch die schöpferische Kraft - oder den großen Geist - miteinander verbunden sind, ist es auch möglich, die Tiere direkt anzurufen. Voraussetzung dafür ist eine respektvolle Einstellung und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.
Durch die Konzentration auf ein bestimmtes Tier und den Wunsch, sich mit seiner Kraft in Verbindung zu setzen, wird die Beziehung hergestellt.

Totemtiere
Was den Ausdruck "Totemtier" betrifft, so gibt es einige Differenzen, welche es zu erläutern gilt, um Missverständnissen vorzubeugen.
So gibt es zum Beispiel der Geburtstotem, welcher zwar seltener beachtet wird, und der dem europäischen Horoskop sehr ähnlich ist.
Wichtiger war besonders in früheren Zeiten der Clanstotem. Einem solchen konnte man nur angehören, wenn man in einer Familie eines Clans, welche also sozusagen unter einem Totem lebte, geboren wurde. Dies hatte nicht den Grund, nicht-indianische Menschen von sich fernzuhalten, sondern war eine klug durchdachte Möglichkeit, die Inzucht und somit die Degeneration des Volkes weitgehend in Grenzen zu halten. So durften zwei Menschen desselben Clantotems nicht untereinander heiraten, und brachten bei der Zusammenkunft mit einem anderen Clan andere Gene in die Familie, welche das Volk stärken konnten.
Der für unsere Zeiten weitaus interessanteste Aspekt allerdings ist das innere Totemtier. Dieses wird von einem Schamanen gleich bei der Geburt eines Kindes festgestellt, und ändert nicht mehr bis zum Tod dieser Person. Das innere Totemtier steht für die individuelle Verbindung des einzelnen zur Tierwelt, welche als einen von vielen Aspekten der Natur während einer schamanischen Reise betreten werden kann. Auch ein besonderer Kontakt zu diesem Tier im physischen Leben ist nicht unwahrscheinlich. Auch trägt der Mensch die Wesenschaften, Charakterzüge und Fähigkeiten dieses Tieres in sich, welche in positivem oder negativem Sinne zum Ausdruck gebracht werden, je nachdem wie sich der Mensch an sich entwickelt.

Änderung des Totemtieres
Wie schon oben erwähnt, entwickelt ein Mensch, gemeinsam mit anderen Aspekten und Charaktereigenschaften, auch die Fähigkeiten seines inneren Totemtieres. Der Idee, dass sich dieses Totemtier in ein anderes verwandeln könnte, sollte man gleich kritisch überdenken. Wer sich die Natur etwas genauer ansieht, weiß, dass kein Tier besser oder schlechter ist, und dass alles seinen Platz in dem Zyklus der Existenz hat. Unsere, dem Leben und der Natur so entfernte Denkweise, einer Hierarchie ist auch im spirituellen Sinn ethisch nicht zu rechtfertigen. Somit wird sich niemand, der eine Kröte als inneres Totemtier hat, durch asketisches Leben zu einem Adler erheben. Vielmehr wird er die wandlerischen Fähigkeiten der Amphibien und dessen Verbindung zum Feuerelementen erkennen lernen und diese benutzen zu wissen.
Ein gutes Beispiel gibt hier zum Beispiel der Ara ab. Eine der vielen Qualitäten eines Aras ist dessen sprachliches Talent. Ein ausgeglichener Mensch mit einem ausgereiften inneren Totemtier, wird diese Fähigkeit zu nutzen wissen. Ist er zum Beispiel Lehrer, wird er die ausgefeiltesten Methoden entwickeln, um durch Erklärungen den Schülern sein Lehrfach näher zu bringen. Artikel enthalten mit großer Wahrscheinlichkeit eine Wortwahl, die fast jedes Missverständnis ausschließen. Er wird bedacht sprechen, auf den einzelnen eingehen, und versuchen, diesen seine Ideen auf eine Art nahezulegen, welche für den anderen auch verständlich ist. Ein unausgeglichener, unausgereifter Mensch, der vielleicht auch noch Schwierigkeiten hat, sich mit seinem inneren Totemtier zu identifizieren oder im Glauben lebt, bei einer hoch spirituellen Lebensart ein "besseres" Totemtier zu erhalten oder zu "werden", wird die Fähigkeit des Aras entweder nicht verstehen oder sie zu missbrauchen wissen. So besteht hier die Möglichkeit, auf einen Menschen zu treffen, der nicht überlegt bevor er den Mund aufmacht, oder aber seine Worte in verletzender Weise anbringt um sich auf diese Weise über andere stellen zu können.

Erkennen des inneren Totems
Ebenso wie bei den Krafttieren stellt sich für viele die Frage wie man sein inneres Totemtier denn erkennen kann. Und genau wie bei den Krafttieren kann man dies mit einer schamanischen Reise erreichen. Allerdings ist es schwieriger das innere Totemtier zu finden, da man hier sich selbst betrachten muss, während man Krafttieren außerhalb begegnet. Die oben erwähnte Reise kann allerdings etwas umgeändert werden, damit man seinem Totemtier begegnen kann. Hier allerdings sucht ihr keinen hohlen Baum im Wald auf, sondern einen See, in welchem sich euer Totemtier widerspiegelt, wenn ihr hineinblickt. Wer allerdings vergeblich versucht hat, sein inneres Totemtier zu erkennen, ob nun durch Reisen oder durch Warten auf eine besondere Begegnung mit dem Tier, welches er in menschlicher Gestalt verkörpert, der kann auch einen guten Freund fragen, wenn dieser denn nun mit Leichtigkeit auf schamanische Reisen gehen kann. Sucht man nämlich eine Person auf einer Reise, kommt es oft vor, dass man dieser nicht in Menschenform begegnet, sondern in Form seines inneren Totemtieres.

 

Autor: Kangiska